DSM-Expertenbeiträge: Regionale Zusammenarbeit – Teil 1

Starke Regionen in einer globalen Wirtschaft von Harald Plamper, Senior Associate der Strategiemanufaktur. Der Autor befasst sich mit der regionalen Zusammenarbeit und stellt sie in einen größeren Zusammenhang. Er behandelt die strategische Relevanz der regionalen Zusammenarbeit. Wir veröffentlichen seinen Beitrag in drei Teilen:

  1. Ziel regionaler Zusammenarbeit: Stark in der globalen Wirtschaft
  2. Voraussetzungen für regionale Zusammenarbeit
  3. Management regionaler Zusammenarbeit

Ziel regionaler Zusammenarbeit: Stark in der globalen Wirtschaft

In der Beratungsarbeit braucht man bisweilen eine Antwort auf die Frage, warum ein Auftraggeber einen bestimmten und keinen anderen Vorschlag erhält. Es mag doch vom Auftrag her reichen, einen erfolgversprechenden Weg in eine bessere Zukunft zu beschreiben und Meilensteine für den folgenden Änderungsprozess vorzuschlagen.

Ein Beispiel aus der Praxis der Arbeit der Strategiemanufaktur mag zur Verdeutlichung dienen. Es geht um bessere Zusammenarbeit in einer Region. Die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen war längst etabliert und verlief in ordentlichen Bahnen, doch hinkte diese Region im Vergleich zu anderen hinterher. Es fehlte an Mitteln, die von den Gebietskörperschaften nicht aufzubringen und allenfalls andernorts zu finden waren, vielleicht durch Einbezug der in der Region beheimateten Unternehmen.

„Ohne Moos nix los!“

In der Anfangsphase verglich die Strategiemanufaktur die beratene Region mit anderen Regionen, sei es in der Nachbarschaft oder im Ausland. Bekannt war, dass anderen Regionen weitaus größere Beträge zur Verfügung standen und so den regionalen Zusammenhalt stärken und internationale Aufmerksamkeit erregen konnten. „Ohne Moos nix los“ gilt ja auch in der regionalen Zusammenarbeit. Wie viel Moos ist für die Region nötig, um Erfolg zu haben? Eine Frage, auf die es zunächst nur eine allgemeine Antwort gibt. So viel Moos, dass die Region bei der Akquisition von Unternehmen, bei Start-Ups, bei Rekrutierung und Verbleib von gesuchten hochqualifizierten Kräften die Nase vorn hat, also im weltweiten Wettbewerb der Regionen bestehen kann!

Regionen im Wettbewerb

Dies ist nichts Neues, doch im Alltag immer noch zu wenig Beachtetes. Ja, Regionen und Kommunen stehen im Wettbewerb. Schon 1996 war der Scheinwerfer durch die KGSt auf „Starke Kommunen in der globalen Wirtschaft“ gerichtet und diente als Begründung für die damals im Neuen Steuerungsmodell geforderte Bürger- und Kundenorientierung. Warum Effektivität und Wirtschaftlichkeit?

Weil Kommunen in der globalen Wirtschaft agieren, war meine Aussage als damaliger Vorstand der KGSt. Der Eiserne Vorhang war gefallen, das Globalisierungstempo begann sich zu verschärfen. „Wenn sich Kommunen im vereinten Europa und in der globalen Wirtschaft behaupten können, dann haben sie Zukunft.“ Ich bemühte mich um eine sowohl akkurate als auch eindrückliche Beschreibung der Lage. „Ein Weltklasseunternehmen „muss man sich wie einen über die ganze Erde gelegten Scanner vorstellen, der sie nach Märkten, verwertbarem Wissen, günstigem Kapital, qualifizierten und billigen Arbeitskräften, geeigneten Produktionsstandorten und nach Partnern absucht und sich dabei immer wieder neu orientiert, weshalb traditionelle Bindungen an Gewicht verlieren.“ An diesem Befund hat sich bis heute nichts geändert. Die Forderung nach Weltklasse richtet sich auch an Kommunen, ja an alle öffentlichen Hände. Dazu gehören auch ein privates Dienstleistungsangebot und ein Angebot an qualifizierten Arbeitskräften. „Es gehört dazu der Wille und die Bereitschaft der Bevölkerung, das Ziel, globale Mitspielerin zu sein, als vordringlich zu erkennen und dafür Einschränkungen an anderer Stelle in Kauf zu nehmen.“ Dazu sind Kernfähigkeiten nötig, die sich dann bilden, „wenn sie zwei kritische Merkmale aufweisen: Magneten und Klebstoff“. Als Magneten bezeichnet die Harvard Professorin Rosabeth Moss Kanther in Ihrer 1995 erschienenen Untersuchung „World Class – Thriving Locally in the Global Economy“ die Schlüsselinstitutionen am Ort, die Weltklasseunternehmen anziehen. Der soziale Klebstoff beinhaltet die Qualität der Unternehmensinteraktionen, also die Intensität der Kommunikation und Zusammenarbeit von Unternehmen am Ort, und die Lebensqualität. So muss das Ambiente in seinen vielfältigen Ausprägungen den Wünschen der Bewohner und der Unternehmen entsprechen und vor allem für auswärtige Arbeitskräfte und Unternehmen attraktiv sein. Was sind die Empfehlungen zum Mitspielen in der globalen Wirtschaft? Beispielsweise: Zusammenarbeit suchen und praktizieren! Katalysator für Kooperationen werden! Wettbewerb suchen und ihn bestehen wollen! Demokratie verwesentlichen! Strategielücke schließen! Dazu benötigen wir Tempo und langen Atem, Konzentration auf das Wesentliche, Offenheit nach allen Seiten, den kommunalen Zusammenschluss zu starken Regionen, selbstbewusstes Handeln. Hier sind der enge Zusammenhang aller Akteure (Unternehmen, Schul-, Hochschul- und Forschungseinrichtungen und Kommunen und andere öffentliche Hände) mitbedacht.

Das vor zwanzig Jahren Gesagte war damals noch keine Wirklichkeit, doch vorbedacht und in einzelnen Kommunen und Regionen in Angriff genommen. Der Kanton Zürich hatte seine kantonale Verwaltungsreform hin zur wirkungsorientierten Verwaltung so begründet und sie sich in einem Volksentscheid bestätigen lassen.

Regionale Zusammenarbeit: Kommunen, Unternehmen und Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Die Strategiemanufaktur hatte deshalb nicht nur die Kommunen der Region, nicht nur die ansässigen Wirtschaftsunternehmen, sondern auch die Hochschul- und Forschungseinrichtungen im Auge. Alle drei Bereiche sollten in Zukunft kooperieren und zwar in einem Umfang, der es ermöglicht, die gewünschten Wirkungen (höhere Wertschöpfung durch Ansiedlung weiterer Unternehmen, vielfältiger Austausch und Kooperation aller Akteure, gegenseitiges Lernen, Gewinnen, Weiterentwickeln und Halten höchstqualifizierter Arbeitskräfte) zu erzielen. Sie verwies dabei auf die „Triple-Helix“, die Brainport Eindhoven (www.brainport.nl) für seine Art der regionalen Zusammenarbeit verwendet. Kommunen, Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute in der Region um Eindhoven arbeiten intensiv zusammen und tragen durch ihre Beiträge die Aktivitäten innerhalb Brainports. Brainport Eindhoven ist bereits dabei, die „Triple Helix“ unter Einbezug der Bevölkerung in eine „Multi-Helix“ zu verwandeln.

Das Ziel regionaler Zusammenarbeit ist im Kern: die Region will im globalen Wettbewerb mit anderen Regionen bestehen.

Mit den Voraussetzungen hierfür beschäftigt sich der zweite Teil des Expertenbeitrags in der nächsten Woche.

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